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Der Kampf um die legendäre schwarze Erde der Ukraine

Der Kampf um die legendäre, schwarze Erde in der Ukraine ist fast abgeschlossen. Zum Entsetzen der französischen, polnischen und deutschen Bauern wurde er von den multinationalen Agrarkonzernen Monsanto, Pioneer und Johne Derre gewonnen. Auch Konzerne wie Cargill und DuPont sind bereits seit geraumer Zeit in der Ukraine präsent und haben ihre Investitionen in den letzten Jahren erheblich erhöht. Diese Konzerne erledigen in Zukunft die Lobbyarbeit zur Neustrukturierung des Marktes und den damit verbundenen Einzug der landwirtschaftlichen Produkte von Monsanto und Co auf dem europäischen Markt.

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Im November 2013 entwarf der ukrainischen Agrar-Bund eine Gesetzesänderung, die den „Global Agriculture Producers“ in der Ukraine erlauben sollte, von der weit verbreiteten Verwendung von gentechnisch verändertem Saatgut zu profitieren.
Unter den Hintergrund der dramatischen politischen Entwicklungen die es in der Ukraine gab, kam diese Wendung der Ereignisse im Agrarbereich des Landes fast unbemerkt, obwohl Monsanto seine Lobbyarbeit auf dem ukrainischen Agrarmarkt bereits eine geraume Zeit offensiv durchführt.

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Monsanto reicht „helfend“ die tödliche Hand – und nimmt !

Bereits im Jahr 2007 forderte die US-Botschaft in Kiew, dass die ukrainische Regierung Maßnahmen gegen die Verkäufer des sogenannten „Fake-Saatgutes“ ergreifen solle. (dh, Saatgut-Hersteller die im Wettbewerb zu Monsanto und Co stehen).

GMO-Kulturen wurden  „gesetzlich“  auf den ukrainischen Markt im Jahr 2013 zugelassen. Seitdem sind  ungefähr 1,5 Millionen Hektar Land an ausländische für die landwirtschaftliche Nutzung überlassen.

Lassen wir  für  einen Moment die Kontroverse über die Gefahren von GMO beiseite. Überlegen wir viel mehr, welche Auswirkungen die Beschlagnahme vom ukrainischen Landwirtschaftsmarkt durch das amerikanische-multinationalen Agrarbusiness auf die Wirtschaft der EU hat.

Seit Mitte der 90er Jahre arbeiten vor allem ukrainische-Amerikaner an der Spitze der US-Ukraine Business Council an der Förderung der Fremdsteuerung der ukrainischen Agrarwirtschaft. 9865

IWF im Sinne  von Monsato & Co

Innerhalb von zwei bis drei Jahren, nachdem die einschlägigen Bestimmungen des Assoziierungsabkommens  zwischen der Ukraine und die EU in Kraft treten, wird Monsantos Lobbyarbeit den ukrainischen Agrar-Markt in einen Oligopol, bestehend aus amerikanischen Unternehmen, verwandeln.

Nach dem Putsch der Janukowitsch-Regierung und der Machtübernahme durch die prowestliche Regierung leitete der IWF als Vorbedingung für die Kreditvergabe ein Reformprogramm ein, das vor allem die Förderung von Privatinvestitionen im Lande fordert. Die Vorgaben des IWF beinhalten auch die Reform der öffentlichen Wasser- und Stromversorgung und die Beseitigung der hohen Kosten für Unternehmen, die in der Ukraine Geschäfte machen.

Westliche Konzerne haben nicht nur die Kontrolle über einige profitable Bereiche der Landwirtschaft übernommen, sondern mit einer vertikalen Integration des Agrarsektors begonnen. Auch sind sie zunehmend erfolgreich in den Bemühungen, sich den Zugriff auf den Infrastruktur- und Verkehrsbereich zu sichern. So besitzt Cargill in der Ukraine inzwischen mindestens vier Getreidesilos und zwei Fabriken zur Herstellung von Sonnenblumenöl. Im Dezember 2013 erwarb das Unternehmen einen Anteil von 25 Prozent plus eine Aktie an einem Getreideterminal in der Hafenstadt Noworossijsk am Schwarzen Meer, der über eine jährliche Verladekapazität von 3,5 Millionen Tonnen Getreide verfügt.“ (Freitag – Ausgabe 13/15)

Der ukrainische Agrarsektor gehört zu den vorrangigen Zielen ausländischer Privatinvestitionen und wird vom IWF und von der Weltbank deshalb als prioritär reformbedürftig eingestuft.

Ukrainische Patrioten – mehr Schein als Sein!

Obwohl die Medien in Kiew voller patriotischer Rhetorik sind, ist es unwahrscheinlich, dass Heldenfiguren entstehen, die aufstehen werden, um für das Recht der neuen Generationen der Ukrainer, auf gesunden Grund und Boden zu leben und arbeiten zu können, einstehen werden.

Der intellektuelle Standard der Arbeit vom  größten Dachverband der ukrainischen Bauern zeigt sich in seiner „aktuellen“ Pressemitteilung (aus dem Jahre 2010), welche keinen weiteren Kommentar bedarf!Bild3

Amerikanische Standards in der Agrarwirtschaft der Ukraine

Innerhalb weniger Jahre werden die Agrarkonzerne den Einsatz der Biotechnologie, welche in den USA lizenziert wurde, in der Ukraine erweitern. Das geschieht auf der Basis des Artikels 404 des Assoziierungsabkommens mit der EU, welcher diese Praktiken als „bewährtes Verfahren … für die Agrarpolitik“ empfiehlt!

”Die Abhängigkeit der ukrainischen Agrarkonzerne vom Saatgut der Amerikanischen Produzenten ist Teil der unerbittlichen PR-Kampagne zur Förderung der GVO-Technologie in ganz Europa. Bestandteil der PR Kampagne sind ebenso Schlüsselwörter wie “Innovation”, “Biotechnologie” und “der gemeinsame EU-Markt”.

Innerhalb der nächsten Jahre, als Ergänzungen zum Assoziierungsabkommen mit der EU, nach dessen in Kraft treten, setzt Monsanto auf eine deutliche Erhöhung des GMO-Anteils der gesamten landwirtschaftlichen Anbaufläche in der Ukraine.  Danach werden sie anfangen ihre Rolle als Kolonialmacht auszuüben. Sie werden die Profite aus den Schwellenländern abgreifen.

Das Beispiel Indien zeigt, dass es dabei kein Happy End geben wird.

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Aufgrund der Haushaltsdefizite und der Abhängigkeit der Ukraine vom IWF, sind die ukrainischen Banken fest an die Fremdfinanzierung gebunden. IWF-Kredite und die Hilfe von der Weltbank sowie finanzielle Unterstützung anderer supranationaler Organisationen werden durch die „schwarze Erde“ der Ukraine im praktischen und rechtlichen Sinne abgesichert. Lokale Banken bieten nur günstige Kreditbedingungen für Agrar-Betriebe, die der Verwendung zertifizierter Herbizide zustimmen.

Hersteller dieser Herbizide ist: MONSANTO

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Die Europäische Landwirtschaft im Lasso von Monsanto & Co

Ein weiterer Beweis dafür, dass amerikanische Investoren die ukrainische schwarze Erde sehr schätzen, ist die kürzlich erfolgt Übernahme von 50% der Anteile des ukrainischen Hafen von Illichivks durch den Investmentfonds Siguler Guff & Co. Dieser Hafen ist auf das Umschlagen von Agrarprodukten spezialisiert.

Die Ukraine bewirtschaft ein Drittel der gesamten Ackerfläche von Europa. Die rasante Einführung von Biotechnologie führte bereits in den Entwicklungsländern  zu beklagenswerten Ergebnissen, die mittlerweile vor allem in Lateinamerika und Afrika mehr als  offensichtlich sind.

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Aber die europäischen Landwirte werden viel früher zu Grunde gehen. Ihre Waren können aufgrund der höheren Arbeitslöhne in der EU nicht mit den GMO-Erzeugnissen aus der Ukraine (als zukünftiges Billig-Lohn-Land Nr.1 in Europa) konkurrieren.

Polnische Bauern wissen sehr wohl wo das alles hinführt. Sie können einen gerichtlichen Kampf, gegen die durch diese multinationalen Riesen beschäftigten Anwälte, nicht gewinnen. Aus diesem Grund wechselten sie im Jahr 2013  ihre Taktik und versuchen das drohende Unheil mit Hilfe von Massenprotesten aufzuhalten.

Im Gegensatz dazu scheinen die Agrarproduzenten aus Frankreich, Deutschland und anderen EU-Ländern immer noch sehr gleichgültig der kommenden Katastrophe entgegen zu sehen.

Die Quintessenz ist, dass die europäischen Landwirte noch nicht begriffen haben, dass die aus Washington viel gepriesene Propaganda über „den Wandel der Ukraine hin zum „demokratischen“ Freiheitsstaat“ wirtschaftlich nur ein Ziel hat: „das amerikanische Lasso um die europäische Wirtschaft und die europäischen Agrarproduzenten zu werfen, um sie zu Fall zu bringen“.

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